Wein-Abend USA

Historisches zum Weinanbau in den USA

Nach einem denkwürdigen 9. November fand drei Tage später unser Wein-Abend zum Thema USA statt. Nach diesem Wahlausgang half wirklich nur Alkohol… Die Vereinigten Staaten hatten es bei uns noch nie als Weinthema geschafft. Wer im Zusammenhang mit den USA von Wein spricht, dem fällt vermutlich als erstes Kalifornien ein. Tatsächlich hat der amerikanische Wein seinen Ursprung in San Diego, genauer 1769 als nämlich Franziskanermönche Missionsstationen aufbauten und Messwein benötigten. Zu dieser Zeit waren es vor allem spanische Reben wie etwa die Criolla die angebaut wurden. Später übernahmen amerikanische Großgrundbesitzer die kalifornische Weinwirtschaft. Gerade zu Zeiten des Goldrausches florierte der Weinhandel mit deutschen und italienischen Siedlern. Kalifornien erfuhr einen regelrechten Boom bis zunächst gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Reblaus zuschlaug und danach die Prohibition im Jahre 1919 ihr Übriges tat. Dies führte zu einem kompletten Verschwinden des Weinbaus in den USA. Erst etwa 40 Jahre später begann der Wiederaufstieg mit den Winzern Joe Heitz und Robert Mondavi, die mit modernem Weinmanagement schon bald Weine der Spitzenklasse hervorbrachten. Heute gewinnen die kalifornischen Weine unzählige internationale Wettbewerbe und erfreuen sich einer großen Beliebtheit.

Anbaugebiete USA

Die Sonne des südlichen Kaliforniens machte die Regionen Napa-Valley, Sonoma County oder Monterey zu international bedeutenden Anbaugebieten. Doch auch die Böden der Westküste eignen sich toll für den Anbau von Reben. Deswegen machen auch die Weinregionen Washington und Oregon den kalifornischen Weingütern Konkurrenz. Die Größe der nordamerikanischen Weinflächen beläuft heute etwa 224.000 Hektar auf denen jährlich bis zu 20 Millionen Hektoliter Wein entstehen. Die bedeutendsten Weinanbau sind sicherlich Kalifornien, Oregon und Washington.

Kalifornien hat eine ganze Bandbreite unterschiedlichster Weine zu bieten, was in erster Linie an den unterschiedlichen Klimazonen liegt. Die Weinberge Kaliforniens erstrecken sich über 1.000 Kilometer weit entlang der Pazifikküste. Zahlreiche unterschiedliche Bodentypen und verschiedene klimatische Bedingungen wirken dabei auf den Weinbau ein. Die Weinanbaugebiete Kaliforniens lassen sich grob in fünf Gebiete unterteilen: die drei Pazifikküstenregionen North Coast, Central Coast, South Coast und die zwei im Landesinneren befindlichen Gebiete Sierra Foothills und Central Valley. Durch das sonnenverwöhnte Klima und die Nähe zum Pazifik sind kalifornische Weine kräftig und fruchtbetont und bedingt durch die hohen Reifezustand der gelesenen Trauben auch recht alkoholreich. Der Weinbau in Kalifornien wird von zwei Rebsorten dominiert: Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Beide Rebsorten nehmen eine Fläche von mehr als 30.000 Hektar ein. Weitere wichtige Rebsorten sind: Colombard, Merlot, Pinot Noir, Sauvignon Blanc, Syrah und Zinfandel. Derzeit sind in Kalifornien rund 40% der Rebfläche mit weißen Rebsorten und 60% mit roten Rebsorten bestockt.

Oregon gehört zu den größten und wichtigsten Weinbaustaaten der USA und ist Kalifornien mittlerweile ebenbürtig. Oregon ist auch ein wichtiger Lieferant von Eichenholz für amerikanische Barriques. Klimatisch macht sich hier sowohl die Nähe zum Pazifik, als auch der Einfluss der Gebirge bemerkbar. Der Bundesstaat ähnelt den auf ähnlichem Breitengrad liegenden französischen Regionen Burgund und Bordeaux, so dass es sehr gut für alle Rebsorten geeignet ist, die nicht allzu viel Hitze vertragen. Die häufigste Rebsorte ist Pinot Noir. Weitere Sorten sind: Chardonnay, Pinot Gris, Cabernet Sauvignon, Gewürztraminer, Merlot, Müller-Thurgau, Pinot Blanc und Riesling.

Washington State ist nach Kalifornien und vor Oregon das drittgrößte Weinanbaugebiet der Vereinigten Staaten und besteht aus knapp 12.000 Hektar Rebfläche. Zum allergrößten Teil wird im Osten (95% der Rebflächen) Anbau betrieben. Die Sommer im Osten des Bundesstaates sind heißer und trockener und die Winter erheblich kälter als in der westlichen Küstenregion. Die langen Sonnenstunden, beständig hohe Sommertemperaturen und kühle Nächte lassen die Trauben optimal reifen, die bei hoher natürlicher Säure reife Fruchtaromen entwickeln. Ein großes Problem sind die strengen Fröste im Winter, die große Teile der Lese vernichten können. Die führende rote Rebsorte ist Cabernet Sauvignon gefolgt von Merlot, Syrah und Cabernet Franc. Unter den weißen Rebsorten führt Chardonnay. Weitere weiße Rebsorten sind: Riesling, Gewürztraminer, Semillon, Sauvignon Blanc und Viognier. Natürlich gibt es noch in weiteren Bundesstaaten Weinanbau, diese werden aber an dieser Stelle ausgelassen.

Unsere Weine

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Wir begannen mit einem kalifornischen Weisswein, nämlich einem 2013er Chardonnay von Black Stallion aus dem Napa Valley. Ein schöner, trockener Chardonnay der eine wunderbare und Zitrusnote hatte und mit einem klarem aber satten gelb  im Glas. Er erinnerte ein wenig an einen französichen Chardonnay. Er wurde in französischen Barriques vergoren und weitere 7 Monate darin ausgebaut. Black Stallion ist das jüngste Weingut in der illustren Gesellschaft der Napa Valley- Estates. Es wurde 2007 an der Stelle eines historischen Gestüts mit 36 Ställen im Oak Knoll District errichtet, der sich im südlichen Teil des berühmtesten Anbaugebietes Kaliforniens befindet. Ein toller Einstieg in den Abend, für mich 4 von 5 Punkten.

Unser erster Rotwein war ein Beringer Founders Estate Merlot von 2013.  Beringer ist sicherlich eines der bekanntesten kalifornischen Weingüter. Es wurde im Jahr 1876 von den deutschstämmigen Brüdern Jacob und Frederick Beringer gegründet. Im nördlichen Napa Valley gelegen erstreckt sich das Anbaugebiet, der sogenannte „Cabernet Belt“, von Spring Mountain bis Howell Mountain im Osten. Unterschiedliche Böden und verschiedene Mikroklimata sorgen für den einzigartigen Geschmack der Beringer Private Reserve, der großartigen und vielfach ausgezeichneten Rotweine. Die berühmten Beringer-Weißweine profitieren von der Intensität und Reife der Trauben, die in der Mitte und dem Süden des Anbaugebiets mit lehmhaltigen Böden und dem starken maritimen Einfluss der Bay Area besonders gut gedeihen. Vom Stil her war der Wein trocken und fruchtig und bestach durch sein sattes Rubinrot. Er zeigte dichte Aromen von Brombeeren und Pflaumen. Wahrlich ein gelungener Merlot, für mich 4 von 5 Punkten.

http://www.wein-blog.ch/wp-content/uploads/2016/12/20161112_192501-e1483021075282-169x300.jpgDer nächste Rotwein war ein Hess Collection Allomi Collection Cabernet Sauvignon von 2013. Also erneut ein Wein aus dem Napa Valley. Der Besitzer Donald Hess wurde in Bern geboren, ließ sich zunächst zum Braumeister ausbilden und übernahm nach dem frühen Tod seines Vaters bereits mit zwanzig die familieneigene Brauerei Steinhölzi in Bern. 1961 gründete er die Valser Mineralquellen AG und machte diese zur Nr. 1 in der Schweiz, bevor er sie an Coca Cola verkaufte. Die Erlöse aus seinen Geschäften investiert Donald Hess seit einigen Jahrzehnten parallel in seine zwei großen Leidenschaften: den Wein und die Kunst. Heute nennt der zurückhaltende Schweizer neben der Hess Collection Winery im Napa Valley, die Glen Carlou Vineyards in Südafrika, Peter Lehmann Wines in Australien sowie die Bodega Colomé und die Bodega Amalaya in Argentinien sein eigen. Die Einzellage »Allomi« der Hess Winery ist das Filetstück im Napa Valley. Die hier gepflanzten Cabernet Sauvignon-Rebstöcke sind bekannt für exzellente Trauben. Facettenreich im Bukett, nussig – fast schokoladig – dicht und kraftvoll im Geschmack und weich im Abgang wurde Hess Allomi vom renommierten Weinmagazin WeinGourmet als einer der besten 50 Kalifornier unter 25€ eingestuft.  Für mich hatte er klassische Johannisbeer- und Kirscharomen, sowie wunderbare Röstnoten. Wiederum ein sehr runder kalifornischer Wein der zu Fleischgerichten, Pasta oder würzigem Käse passen würde. Für mich 4 von 5 Punkten. Wir näherten uns einem Höhepunkt des Abends, einem weiteren Beringer und zwar ein Knights Valley Cabernet Sauvignon 2013. Wiederum ein fruchtiger Wein mit leichter Süsse. Vollreif gelesen werden die Trauben separat in französischer Eiche vergoren und ausgebaut, was sich natürlich angenehm bemerkbar macht. Mit einer undrunglichen dunklen Farbe auch etwas fürs Auge.  Wirklich eine hohe Qualität und wunderbar ausgewogen. Für mich fast die perfekte Punktzahl von 4.5 (von 5). Den Abschluss bildete ein The Hilt Vanguard Pinot Noir (2010). http://www.wein-blog.ch/wp-content/uploads/2016/12/20161112_192746-e1483021122266-169x300.jpgFür einmal nicht aus dem Napa Valley stammend, sondern  aus dem Santa Barbara County. Der Weinkeller steht in erster Linie für zwei Produktlinien: Oldguard Pinot Noir sowie Oldguard Chardonnay, sowie the Vanguard Pinot Noir und Vanguard Chardonnay. Erstere wird auf nährstoffärmeren Böden gepflanzt und zusammen mit minimalistischen Kellemethoden ausgebaut, um einen Wein mit Mineralität und Struktur im Vordergrund zu produzieren. Letzterer wird auf etwas reicheren Böden gepflanzt , die einen Wein mit Gleichgewicht, Kraft und Frucht gezüchteten Qualitäten enthüllen. Unser Pinot stammte aus der letzeren Produktlinie. Ausgebaut wird er zu 35% in neuen französischen Eichenfässern, zu 65% in gebrauchten. Man merkte eine dominante Kirschnote, für mich war er allerdings ein wenig zu süsslich. Dazu muss man aber erwähnen dass dies eben gerade das Ziel der Vanguard Linie ist, nämlich üppiger zu sein, mehr dem „Neuen Welt-Stil“ gerecht zu werden. Er traf nicht genau meine Pinot Vorliebe, daher konnte ich nur  3.5 von 5 Punkten geben.

Begleitet wurde der gelungene USA-Abend stilecht von DEM amerikanischen Gericht: Burger und Pommes. Dies passte wunderbar und wurde von einem leckeren Apfelkuchen abgerundet.

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